Report

Kolumne: "Das Poppen, das nervt!"
"Einmal gepoppt, nie mehr gestoppt." Vor nicht allzu langer Zeit war es dieser Spruch, der uns auf der Wonzimmer-Couch allabendlich berieselte, der uns nichts Böses denken ließ. Doch das war einst. Surfer, die diesen Spruch hören, reagieren genervt, frustriert, werden wild wie Tiere und können ihren Zorn kaum mehr verbergen. Wieder waren sie einem sich schnell verbreitenden Phänomen des Internets hilflos ausgeliefert - neuen Werbeformen, die auf die wohlklingenden Namen "Pop-Up", "Pop-Down" oder "Exit Pop-Up" hören...

Wir schrieben das Jahr 2000. Das Internet boomte, Dot-Coms machten Milliarden Euro Verluste und doch sprangen Millionen mit ihrem Kapital an die Börse, finanzierten den plötzlichen Aufstieg. Es wurde 2001 und erste Warnzeichen für ein Zerplatzen der bombastischen Seifenblase wurden ignoriert. Sommer 2001, es war soweit. Rasend schnell folgten der ersten Konkursmeldung Weitere und eine ganze Branche, vor Kurzem noch gefeiert, wurde erschüttert, zerfetzt, durchlöchert und bis an den Rand der totalen Zerstörung getrieben.

Nach dem Sturm

Januar 2002: Bestandsaufnahme. Das Internet lebt weiterhin. Weiterhin ist ein Aufschwung der Internetnutzer und Surfer erkennbar. Einige Unternehmen haben den Sturm überlebt, melden schwarze Zahlen. Doch aufgepasst - allen Ortens stöhnt man über die Folgen des rapiden Absturzes im letzten Jahr. Die Werbepreise für Banner sind rapide gesunken. Verdiente man vor 12 Monaten noch äußerst gut (im Mittel immerhin 50€ pro Tausend Bannereinblendungen), lässt sich so heute keine Internetpräsenz mehr finanzieren. Die meisten kostenlosen Angebote haben geschlossen oder ihren Dienst auf kostenpflichtige Services umgestellt.

Es wird Frühling und man merkt es mehr denn je: Waren es einst Werbebanner, die man mit der Zeit ignorierte, so hat der Markt eine neue Lösung gefunden, zu Geld durch Werbung zu kommen - sie muss eben nur aufdringlich genug sein! Und wann ist Werbung am Aufdringlichsten? Richtig, wenn sie mitten am Bildschirm prangt und dem Benutzer die Sicht auf den eigentlichen Inhalt verwehrt.

Geld durch Nervenschwund beim Besucher?

Genau zu diesem Zweck wurden Pop-Ups entwickelt. Sie öffnen sich mittlerweile auch bei renommierten Seiten (z.B. Ciao.com / das größte Meinungsportal im Web) in regelmäßigen Abständen schon beim Laden der Startseite. Der Benutzer kann das im Voraus nicht wissen, nimmt die Werbung aber zwangsläufig wahr. Hier steigen die Werbepreise, ist doch die Beachtung und damit der Erfolg einer Kampagne wieder gegeben. So lautet zumindest der Schluss, wenn man den cleveren Werbestrategen glauben darf.

Doch, Surfer sind intelligente Wesen, erkennen solche Pop-Ups aus der Gewohnheit und klicken sie in sekundenschnelle einfach fort ins Daten-Nirwana. Also müssen neue Mechanismen her, die ein solches Agieren verbieten - manchen Ortes springen daher die Fenster erst beim Verlassen der Site als sogenannte Exit-Pop-Ups auf (angeblich, da dieses den Benutzer weniger stört), hier und da werden sie einfach weiterhin mitgeladen aber unter die eigentliche Site gelegt und werden damit auch erst beim Schließen des Browsers sichtbar.

Der intelligente Besucher schlägt zurück

Alles nutzt nichts, denn der wahre Messias in Sachen Web ist und bleibt der Besucher. Stören ihn die vermehrt eingesetzten Pop-Fenster sehr, tritt ein Gegeneffekt ein: Er kommt nie wieder. Jeder Surfer wird doch heute mit einer wahren Flut an Pop-Ups überschwemmt, kaum mehr ein Internet-Angebot verzichtet darauf. Und das, obwohl eine stark unterschätzte Gefahr darin lauert...

Denn was die Großen können, können die Kleinen schon lange. Viele private Seiten und hobbymäßig betriebene Webpräsenzen rüsten nach, nehmen an Besuchertauschprogrammen dieser Art teil. Das Prinzip ist zu verlockend, garantiert doch jeder Seitenaufruf einen weiteren Besucher. Wie? Ganz einfach. Da beim Laden der eigenen Seite direkt ein großflächiges Popup oder Pop-Down mit aufspringt, in welchem die Seite eines anderen Mitglieds des Tauschprogramms geladen wird, erhält man selbsrt eine Gutschrift, die im Umkehrschluss das Laden der eigenen Site in einem Pop-Fenster eines anderen Teilnehmers zusichert.

Die moderne Seuche - tödliches Spiel?

Angestachelt durch die Option ohne Werbung einfach von heute auf morgen 100% mehr Besucher zu erhalten, verbreiteten sich daher auch im privaten und semi-professionellen Bereich diese Fenster. Besonders schlimm: Auch Seiten mit erotischen oder illegalen Inhalten. Diese mischten und mischen sich eifrig unter das Volk der Teilnehmer, verschandeln deren Image und zeigen noch dazu anstelle eines Pop-Ups gleich Dutzende der aufspringenden Biester beim Laden der Seite.

Das Schlimmste: Schließt der Besucher diese Fenster, öffnen sich weitere Exit-Pop-Ups in Hülle und Fülle, bis man am Ende verzweifelt und erschlagen das Netz durch Kappen der Internetverbindung vollkommen genervt verlässt.

Und die Moral aus der Geschicht? Nun, die ist im Grunde ganz einfach. Die aggressiven, neuen Werbeformen werden auf lange Sicht nur für wirklich attraktive Sites mit sehr viel und kostenlosem Inhalt praktikabel sein. Bei allen anderen Sites, wird der Benutzer ein Popup nicht tolerieren - schon gar nicht, wenn es nicht bei einem Pop-Up bleibt.

Pop-Ups oder Besucher weg

Hobbyseiten sollten ihre Finger vom vermeintlich lockenden Angebot lassen. Denn die eigenen Besucher, wissen in vielen Fällen nicht um den Inhalt und sind sehr schnell verjagt, werden sie durch Pop-Up-Fenster vom eigentlichen Besuch abgelenkt und gar darin gehindert. Auch der erhoffte Erfolg durch die vielen zusätzlichen Zugriffe ist von sehr, sehr beschränktem Ausmaße, den ich persönlich gegen Null tendierend sehe. Zwar wird de eigene Website im besten Fall doppelt so oft (wie ohne Einsatz eines solchen Systems) geladen, aber kaum jemand wird sie sich auch anschauen. Viel zu schnell wird das Fenster geschlossen und allenfalls ein negatives Bild wird beim User hinterlassen. Na, und was bleibt einem dann als Macher der Seite? Nichts, außer den doppelt so hohen Kosten für den Traffic (Datenverkehr).

In diesem Sinne
Euer
Sascha Keuler


PS: ...über Kommentare jeglicher Art würde ich mich sehr freuen!

Eigene Glosse schreiben?
Sie sind vom Fach und möchten uns einen eigenen Text einschicken? Wir veröffentlichen jeden Fremd-Bericht mit Name und Internet-Adresse auf unseren Seiten. Schicken Sie ihren Bericht doch gleich zu uns - für jede veröffentlichte Glosse erhalten Sie 500 Adviews als Belohnung!
Ihr Name:
Ihre e-Mail:
Ihre WebAdresse (Url):
Ihr Vorschlag:



Finden Sie diese Webseite gut ? Dann empfehlen Sie uns doch einem Freund oder Bekannten.

Glossen:
Forencommunites
Spiele im Web
Webwissen: Cookie
Frühlingsgefühle
Google Dance
Funktion / Design?
...and the winner is!
Der Aufschwung kommt!
Recht im Web
Pop-Ups
Surfin' WWW
Domains
...2002?
New Economy

Links:
div align="center">